Sonntag, 13. Dezember 2009, 17.00 Uhr, in der Halle QuerFeld
Bluegrass Jamboree! (weitere Infos)(Flyer)
The Festival of Bluegrass and Americana Music
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The Steep Canyon Rangers (USA)
Beverly Smith & Carl Jones (USA)
The Toy Hearts (GB)
Bluegrass ist eine äusserst mitreissende, virtuose amerikanische Folk Musik, die auf besten und meist wertvollen akustischen Instrumenten gespielt und überwiegend mehrstimmig gesungen wird. Sie erschloss sich in den letzten Jahren einer stetig wachsenden Zuhörerschaft nicht nur in den USA quer durch alle Generationen, sondern befindet sich auf einem weltweiten Siegeszug - mehr als tausend jährliche Bluegrass Festivals und ungezählte Konzerte sprechen eine deutliche Sprache.
Als Alternative zu den elektronisch generierten Pop-Klängen entdecken viele junge Musikliebhaber zum ersten Mal den Charme guter handgemachter Tonerzeugung. Der Coen Brothers Film "O Brother where art thou?" war der erste Mainstream-Film mit einem Bluegrass/Americana Soundtrack und bereitete durch seinen Kultstatus den Boden. Kein Wunder, dass etwa Led Zeppelin Sänger Robert Plant und Bluegrass Queen Alison Krauss kürzlich ein erfolgreiches Album aufnahmen und sich Bruce Springsteen auf seiner CD mit Pete Seeger Songs von Geigen und Banjos begleiten liess.
In Europa steigt die Zahl der Fans stetig an, die Tourneen einzelner Bands verzeichnen wachsende Besucherzahlen. Zeit also, auch in Europa mit einer regelmässigen "Werkschau" in Form der jährlichen Festival-Tournee Bluegrass Jamboree! zu beginnen und Bluegrass und seine Wurzeln vorzustellen.
Bluegrass
Im Bluegrass finden sich Elemente traditioneller Folk Musik europäischer Auswanderer z.B. aus Irland und England, Klänge der Sklaven und weisse/schwarze Kirchenmusik die sich in den ländlich geprägten südöstlichen Staaten der USA zu einer besonderen Form vereint haben. Bill Monroe mit seiner legendären Band The Bluegrass Boys (benannt nach ihrem Herkunftsstaat Kentucky, wo das Gras eine besondere bläuliche Farbe hat) erfand in den 40er Jahren diese Mischung. Instrumente sind Geige (Fiddle), fünfsaitiges Banjo, Mandoline, Gitarre, Kontrabass und die waagrecht gespielte Hawaiigitarre, genannt Dobro.
Guter Bluegrass ist zwar technisch mindestens so anspruchsvoll und komplex wie Jazz (manche bezeichnen ihn auch als "Jazz from the Hills"), dennoch spielt der Gesang (als dominierendes Element) die Hauptrolle. Intensive Solostimmen sowie zwei- bis vierstimmige Vokalsätze in den Refrains begeistern selbst das anspruchsvollste Publikum.
Die Themen der Songs decken wie in jeder Volksmusik die gesamte Bandbreite der Lebenserfahrungen und -philosophien ab und handeln, entgegen vieler Vorurteile, nur selten von Pferden, Trucks oder Cowboys, sondern spiegeln vielmehr das Phänomen des "White Man's Blues" wieder: Love, Life and Death, Places...
Genrespezifisch ist die Stilrichtung Bluegrass ein Teil der übergeordneten Musikkategorie „Americana", in der sich u.a. Blues, Western Swing, Cowboy Yodel, Newgrass, Alternative Country sowie Singer/Songwriter gegenseitig kreative Impulse liefern. Im neuen, jährlichen "Bluegrass Jamboree!" Festival sollen viele dieser Facetten präsentiert werden. Kennenlernen kann man die Faszination Bluegrass am besten im Live-Erlebnis des Konzerts oder bei einer der vielen Jam Sessions. Es gehört schließlich zum guten Ton unter Bluegrass Musikern, selbst beim Konzertbesuch etwa das eigene Banjo dabeizuhaben und an irgendeiner Ecke eine Session zu beginnen...
Beim „Bluegrass Jamboree!" Festival werden vor allem Künstler aus dem Stammland USA und den Ursprungsländern des Bluegrass auftreten und verschiedene Farben dieser Musikrichtung authentisch und auf durchweg höchstem Niveau präsentieren.
The Steep Canyon Rangers (USA)
Nicht oft bekommt man in Europa die wirklichen Spitzenbands des Bluegrass zu sehen, dazu ist das Genre in USA viel zu erfolgreich. Aber für die neue Konzerttournee „Bluegrass Jamboree! - Festival of Bluegrass and Americana Music“ machten die Steep Canyon Rangers, die kürzlich bei Talk Guru David Letterman gastierten, eine Ausnahme. Das Quintett um Leadsänger Woody Platt aus North Carolina ist eine Ausnahmeerscheinung in der Bluegrass Szene, denn seit über 10 Jahren spielen sie in derselben Besetzung und gehören zur Speerspitze der "New Generation".
Die ersten Sessions fanden an der Uni statt und brachten ihnen mehr als einmal verständnisloses Kopfschütteln ihrer an HipHop und Rock gewöhnten Kommilitonen ein. Die leidige Suche nach dem Bandnamen war schnell erledigt, sie tauschten einfach bei ihrer Lieblingsbiermarke das Wort "Stout" gegen Rangers! Seitdem machen sie vor keinem noch so skurrilen Veranstaltungsort halt und spielen in derben Honky-Tonk Clubs, Theatern, Museen, Kirchen, aber auf Rockfestivals genauso wie auf Bluegrass und Oldtime Events oder gar in der New Yorker Carnegie Hall als Begleitband von Film Star Steve Martin.
Am Spiel der Band erkennt man sehr schnell, dass sie die erste Generation Bluegrass Musiker von Flatt & Scruggs bis Bill Monroe genauso wie die Golden Country Legenden der 40er/50er Jahre ausgiebig studiert haben. Mittlerweile schreiben sie fast alle Stücke ihres Programms selbst und haben mit ihrem besonders breiten Stil-Mix aus Bluegrass und Country mit einem guten Touch Rock und Pop grossen Erfolg: Bluegrass Award Nominierungen 2008 für das Album und als neue Band sowie monatelang auf Spitzenplätzen der Bluegrass Charts von Billboard und anderen Fachzeitungen sind der Beweis.
Ihr brandneues Album "Deep in the Shade" wird auf dieser Tour zum ersten Mal dem Publikum in Europa präsentiert und ist ein weiterer Meilenstein in der Geschichte der Steep Canyon Rangers. Woody Platt - Gitarre, Lead Vocals Graham Sharp - Banjo, Harmony Vocals Mike Guggino - Mandoline, Harmony Vocals Charles R. Humphrey III - Bass, Harmony Vocals Nicky Sanders - Fiddle, Harmony Vocals
Beverly Smith & Carl Jones (USA)
Was wäre Bluegrass ohne Oldtime Music ohne die Fiddle Tunes und Balladen, die oft noch so nah an den Klängen der irisch-schottisch-englischen Auswanderer liegen? Beverly Smith & Carl Jones sind würdige Vertreter dieser Richtung, Seit vielen Jahren ist dieses besondere Duo von den wichtigsten Festivals nicht mehr wegzudenken. Sie zelebrieren die Kunst des Duetts - sei es mit Banjo und Geige, Gitarre und Mandoline, instrumental oder als virtuoses und berührendes Gesangspaar. Hier kann man hören woraus Folk Königin Gillian Welch einen grossen Teil ihrer Inspiration holt. Blues, Balladen, Walzer, Tanzmusik, alte und neue Songs von der Carter Family und Jimmie Rodgers, über Gospel bis hin zu den ganz besonderen Eigenkompositionen, die ganz in der Tradition stehen und dennoch zeitgemäss und neu sind.
Beverly Smith war schon 1993 mit der Neo-Oldtime Girl Kultband "The Heartbeats" auf Europatournee, später dann wieder mit dem Grammy nominierten Bruce Molsky in dessen Oldtime Projekt "Big Hoedown". Beverly Smith gilt als eine der besten Rhythmusgitarristinnen der USA, spielt aber auch aussergewöhnlich gut Geige und ist als Tanzmeisterin beliebt. Carl Jones, auch der humorvolle Moderator des Duos, spielte u.a. in Norman Blakes "Rising Fawn String Ensemble" und hat als gefragter Workshop Leiter unzählige Musiker mit der Essenz der Oldtime Musik in Berührung gebracht.
Er begann in den frühen 70er Jahren an Fiddle Conventions teilzunehmen und ist seitdem diesem Stil verfallen. Seine Songs werden von bekannten Bands und Solisten wie der Nashville Bluegrass Band und Ricky Simpkins interpretiert. Beverly Smith - Gitarre, Fiddle , Banjo, Vocals Carl Jones - Gitarre, Fiddle, Banjo, Mandoline, Vocals
The Toy Hearts (GB)
Ein Bluegrass-verrückter Vater mit seinen zwei jungen Töchtern, bildet den Kern einer der wohl aussergewöhnlichsten Bands des Genres in Europa. Mittlerweile sorgt das Quartett im Stammland der Bluegrass Musik für enormes Aufsehen, ihr nächstes Album wird sogar in Nashville produziert werden. Vater Stewart bezeichnet sich selbst als "süchtig nach Saiteninstrumenten", seit er vor über 45 Jahren damit begann, die Clubszene Birminghams zu erobern.
Die Liste seiner Bands ist schier endlos, vor allem Country, Bluegrass und Rockabilly sowie Rock der frühen Zeit sind seine Vorlieben bis heute. Seine Hauptinstrumente sind das 5-string Banjo und die Resonatorgitarre. Er war in unzähligen TV Shows, Theater und Musicals überall in ganz England zu sehen und gilt als Urgestein der englischen Bluegrass Szene. Vater Stewarts Enthusiasmus übertrug sich bald auf seine Töchter, sassen sie doch oft genug am Bühnenrand, Backstage oder im Bandbus. Sophia Johnson ist heute eine der ganz wenigen Frauen, die sich der im Bluegrass elementaren Flatpick Solo Gitarre widmen und in internationalen Magazinen gepriesen wird.
Sie durfte mit 8 Jahren dann endlich Unterricht nehmen, entdeckte irgendwann den Rock'n'Roll und die Beatles, fühlte sich aber erst mit der Entdeckung von Flamenco und Django Reinhardt zur akustischen Gitarre hingezogen.
Nicht viel später fand sie den Weg zum Wegbereiter der Flatpick Gitarre Clarence White (Byrds) und pendelt seitdem zwischen ihren musikalischen Vorlieben. Schwester Hanna ist die Songwriterin und Stimme der Band. Sie sang schon sehr früh die wunderbaren (aber für sie damals unverständlichen) Songs von Hank Williams nach und betrachtet Singen und Songwriting als ihre grosse Gabe.
In ihren Liedern setzt sie auf einfache Sprache, Themen aus dem Leben und bewegende Musik, die den Bluegrass wieder nach England zurück holt - nicht ohne Ausflüge über mehr oder weniger verwandte Stilrichtungen wie Swing, englischer Pop und Folk. Mit Schwester Hannah zaubert sie zweistimmige Duette auf die Bühne, bei denen das Attribut Gänsehaut einmal wirklich angebracht ist.
Bassist Bradley Blackwell hält das ganze mit seinem exzellenten Spiel im Griff, dabei ist er eigentlich auch Experte auf Gitarre und Drums. Er eroberte mit englischen Chart-Künstlern Wohnzimmer ebenso wie die Wembley Arena. Hannah Georgia Johnson - Gitarre, Vocals Sophia Angharad Johnson - Lead Vocals Mandolin Stewart Johnson - Banjo, Resonatorgitarre, Vocals Bradley Blackwell - Bass, Vocals
Über die Bluegrass Musik
"O brother where art thou.?" - der preisgekrönte Film-Hit der Coen-Brothers hat einen grossen Teil zu einer Renaissance der ländlichen Musik aus den Südstaaten der USA beigetragen. Gerade in Europa, wo die Genres Bluegrass, Oldtime und Acoustic Country bislang eher einem begeisterten Fachpublikum geläufig waren, scheint ein regelrechter "Hillbilly"-Wahn auszubrechen.
Vor allem junges Publikum hat Film-DVD und Soundtrack in unglaublicher Stückzahl aus den Läden getragen und scheint mehr denn je angetan von Einfachheit und tiefer Emotionalität der Musik aus den Appalachen. Ein Trend, der in der aktuellen Rockmusik ebenfalls auszumachen ist, akustische Instrumente und reduzierte Sounds bestimmen den neuen Klang.
Von jeher war die Musik in den Bergen dank ihrer Abgeschiedenheit ein besonders intensives Element im Leben der Menschen. In den traditionellen Stücken finden sich schlicht, aber äusserst effektvoll die Themen des Lebens: Liebe, Trauer, Tragik, Klatsch, Freude, Abschied, Ankunft, Verlust, Natur, Glauben. Die Musik ist tief verwurzelt im Alltagsleben der dortigen Bevölkerung und wird oft in familiärem Umfeld praktiziert. Die Stücke werden von Generation zu Generation überliefert und weiterentwickelt. Das ist ein Grund, warum der Szene so viele junge hoch talentierte Musiker zur Verfügung stehen und immer wieder ganze Familien bzw. Brüder und Schwestern auf einer Bühne zu sehen sind.
Im Schatten der erfolgreichen Country-Varianten Rock'n'Roll, Rock und Electric Country hatten die akustischen Klänge stets einen schweren Stand: Musiker wie Bill Monroe, Flatt & Scruggs und die Stanley Brothers gingen den harten Weg des Unkommerziellen. Erst durch die Erfolge im Folk-Revival der 60er Jahre wurde die Bluegrass Music, die schnelle, fast jazzartige und hochvirtuose Form der Appalachenmusik, von einer steigenden Zahl von Fans geschätzt. Durch unzählige Bluegrass-Festivals sowie Konzerte in Theatern und Hallen entstand eine Lebensgrundlage für professionelle Bands, die dadurch die Musik zu neuen Höhen weiter entwickeln konnten.
Die Instrumentierung, Banjo, Geige, Mandoline, Kontrabass, Dobro (akustische Hawaiigitarre) und Stahlsaitengitarre sowie die typischen mehrstimmigen Gesangssätze sind meist geblieben. Verändert haben sich die Texte, zumal immer mehr Musiker das Genre bereicherten, die nicht direkt aus den Bergregionen stammen. Die Lyrik ist feiner, differenzierter und entstammt der aktuellen Lebenssituation der Komponisten.
Mittlerweile sind auch in Europa in den letzten Jahren verstärkt Künstler der Spitzenklasse aufgetreten (z.B. The Wilders, The Infamous Stringdusters, Crooked Still, Lynn Morris, Laurie Lewis oder Del McCoury) und haben ein begeistertes Publikum mit dem Wunsch nach mehr Bluegrass-Input vorgefunden. Und endlich werden Bluegrass-Bands auch verstärkt als attraktive Facette in der Weltmusikszene wahrgenommen: So buchte etwa das grösste deutsche Weltmusikfestival in Rudolstadt Bluegrass Topstar Lynn Morris und beim Amerika-Schwerpunkt des Festivals 2007 Valerie Smith & Liberty Pike, 2008 die Neo-Folk Truppe The Crooked Jades und 2009 die Banjo Rapper „Deadly Gentlemen“.