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In Memory

Bill Bohn (30. Juni 1930-16. Dezember 2008) Nur wenige Monate nach seiner Frau ist Willy 'Bill' Bohn im Alter von 78 Jahren nach langjährigem Parkinson-Leiden gestorben. Er hat sich für Country- und Bluegrass-Musik (damals noch Hillbilly Music genannt und weder genremässig noch kommerziell voneinander unterschieden) zu einem Zeitpunkt begeistert, als die meisten von uns nicht einmal ahnen konnten, dass diese Spielart existiert.

Willy Bohn, bald Bill genannt, um den Bezug zur Musik augenscheinlich zu machen, hatte zwei Kinder und war beruflich als Chef-Einkäufer der Migros-Genossenschaft Basel sehr erfolgreich (heute wohl eine Managementposition). Er war Neuerungen eher nicht aufgeschlossen und hat sich der in der Zeit seiner Pensionierung einsetzenden Allgegenwart von Computern standhaft verweigert. Seine im Gegenzug sehr gut lesbare Handschrift zierte alle Songlisten der Country Pickers. In seiner ihm eigenen extrem gewissenhaften Art und Integrität führte er auch die Finanzen der Band. Bill Bohn war von einer raren Zuverlässigkeit und genoss jede Sekunde auf der Bühne.

Bill Bohn hörte 1946 (!) zum ersten Mal Hillbilly-Songs in der Sendung "Melody Round Up" des amerikanischen Soldaten-Senders AFN (American Forces Network; diese Radiosender wurden mit dem Vormarsch der US-Truppen nach der Invasion in der Normandie nach dem 6. Juni 1944 zu Zweck der kulturellen Propaganda und damit zur Zurückdrängung des Nationalsozialismus überall im befreiten Europa eingerichtet. Natürlich dienten sie auch zur Unterhaltung der stationierten US-Truppen). Mit den Ansagen, die damals von berühmten Radiomoderatoren zu Beginn der Sendungen formuliert wurden, pflegte er noch viele Jahre lang die Auftritte der Country Pickers einzuleiten.

Dank seiner in der Handelsschule erworbenen Englisch-Kenntnisse (damals ein Privileg und von guten Notendurchschnitten abhängig) verstand er die Texte - und war von der Lebensnähe ihrer Inhalte fasziniert. Um 1950 traf er in Basel einige gleichgesinnte junge Leute, unter ihnen der legendäre Charles 'Chuck' Steiner und Peter Gisin. 1956 gründete er mit Chuck Steiner den Fanclub "The Ole Hillbilly Drifters", was in der Folge zu Kontakten mit deutschen Hillbilly-Anhänger, Besuchen der dortigen Radiostudios und sogar von Country-Shows auf amerikanischen Stützpunkten führte.

Die logische Folge all dieser Aktivitäten war, es auch mal selbst zu versuchen und so begann er zusammen mit Peter Gisin (beide mit Gitarre) die geliebten Songs, Hank Williams Sr. war hoch im Kurs, nachzusingen. Am 30. Oktober 1960 - ein zu wenig beachtetes Datum in der Geschichte in der hiesigen Country- und Bluegrass-Szene - fand das erste öffentliche Konzert in Basel statt. Soweit bekannt war dies der allererste Anlass seiner Art in der Schweiz.

Den musikalische Pfad verfolgten Bill Bohn und Peter Gisin - mit vielen Unterbrüchen (Familie, Berufe) weiter: ab 1962 traten sie mit Ruedi "Hank" Dettwiler als Trio auf, aber Mitte der 1980er Jahre folgte der Ausbau zur vier-, dann fünf- und am Schluss gar sechsköpfigen Bluegrass-Formation. The Country Pickers, wie die Band seit den sechziger Jahren hiess, konnte vom Country-Boom dieser Zeit profitieren und absolvierte unzählige Auftritte, nahm zwei Tonträger auf ("Happy Days" und "East to West"). Das Repertoire, darauf bestand Bill Bohn vehement, beinhaltet immer - trotz Einbau einiger modernerer Bluegrass-Songs - die alten Hillbilly-Music-Hits wie "I Wonder Where You Are Tonight", "Columbus Stokade Blues", "Let Those Brown Eyes Smile At Me", "Dirty Dishes Blues", "Smoking Along The Track", "Long Time To Forget", "Pal Of Yesterday" und viele mehr. Bill Bohn war es auch, der darauf bestand, dass die Band sich sowohl als Country- als auch als Bluegrass-Band verstand. Seine Radiosendungen ab 1983 bei Baselbieter Lokalsender "Radio Raurach" (in Zusammenarbeit mit Peter Gisin und mir) spiegelten seine Vorliebe gut wider.

Nach der Auflösung der Country Pickers 1995 genoss Bill Bohn seine Pensionierung, interessierte sich aber immer für seine geschätzte Musik. Noch im letzten Jahr durfte er mehrere Live-Konzerte von "Bluegrass in Basel" erleben.

Bill Bohn war ein Mann der ersten Stunde, ein Pionier und Zeit seines Lebens dem musikalischen Sound seiner Jugendzeit treu. Rest in peace.

 

 

Text von Paolo Dettwiler

 

 

Bluegrass in Basel